http://www.progressive-newsletter.de/index.htm

Das lustige Ratespiel "CDs anhören und Erscheinungsjahr erraten" kann ganz schön in die Hose gehen. Bei Omni hätte ich doch wetten können, dass es sich um Reissue aus den späten 70ern handelt. Reissue stimmt zwar, doch die Spanier nahmen ihr rein instrumentales Werk erst Anfang der 90er auf. So ein Mist, voll daneben geraten! Doch wahrscheinlich ist die musikalische Rückbesinnung gewollt, denn sowohl im Sound, als auch in der Spielweise erinnern Omni deutlich an die Vergangenheit. Auf den meisten der neun Titel, die sich im moderaten Longsongformat bewegen, liegt ein leicht antiker Staub der Zeit. Sinfonisch und melodisch angelegt, kommen Erinnerungen an die frühen Camel, Finch oder Lady Lake auf. Weiche Gitarrenakkorde, von einem soliden Rhythmus stetig vorangetrieben, geben den Songs einen unverwechselbaren Einschlag. Doch müssen sich Omni mit dem Manko herumschlagen, dass zwar manches recht gut zusammengewerkelt wurde und es so auch eine gewisse Begeisterung auslöst, doch fehlt den Titeln irgendwie der recht Biss, der Schritt hinaus aus dem Gewöhnlichen. Bis sich zum Beispiel der Opener "Contracorriente" aufrafft richtig gut zu werden, hat man schon einige Minuten inhaltlichem Leerlauf hinter sich. Wurde aus sinfonischen Elementen im Zusammenspiel von Gitarre und Keyboards geschickt Dramatik aufgebaut, so können die aufgestauten Emotionen danach nicht immer auf den richtigen Weg geleitet werden. Bei "Trás el puente" gibt es von der Spieltechnik und der zeitlichen Rückbesinnung nichts auszusetzen, doch wie bei vielen Produktion können die erdachten Ideen nicht ganz mit dem eigenen Anspruch mithalten. So liefern Omni letztendlich ein solides, gut anhörbares Instrumentalwerk ohne echten Knackpunkt ab.

 

Mit ihrem zweiten Album haben Omni eine deutlich positive Weiterentwicklung vollzogen. Den Spaniern, die international bereits zweimal auf dem Baja Prog Festival in Mexiko die Zuschauer überzeugen konnten, taten die Besetzungsveränderungen der letzten Zeit gut. Die Neuzugänge Alberto Marquez (Keyboards) und Ismael Colón (Schlagzeug) sorgen für frischen Wind, der Gesamtsound wirkt wesentlich runder und organischer, was sicherlich auch am "echten" Schlagzeug liegt. Die meist instrumentalen Titel bewegen sich im sinfonischen Progressive Rock Bereich mit hohem Melodieanteil, als besondere Note sorgt Pepe Torres an Flöte und Saxophon für interessante Nuancen. Dominierend setzt Gitarrist Michael Starry den instrumentalen Schwerpunkt, dessen sehr gefühlvolles und elegisches Spiel des öfteren an Andy Latimer erinnert. Nicht von ungefähr klingen Omni stark an Camel angelegt, denn auch die üblichen Instrumente ordnen sich weitgehendst dem Gitarrenspiel unter, auch wenn gerade die Flöte immer wieder folkloristisch glänzt, die Keyboards kurze Soli setzten dürfen. In die ruhigen, getragenen Titel fließt auch ein kleiner Anteil andalusisch-spanischer Folklore ein, wodurch "El vals de los duendes" einen ganz eigenen, leicht arabischen Touch bekommt. Ein schönes Album voller sorgsam durchdachter Melodien von einer eine Band, die eindeutig auf langsamen Aufbau und sehr viel Atmosphäre setzt, sich Zeit nimmt und damit dem Hörer ein stimmungsvolles Album aus dem oberen Mittelfeld der sinfonischen Progressive Rock Schiene abliefert.

Kristian Selm